2025 – wie ich lernte, die Spannung nicht mehr auflösen zu müssen

Lesezeit: 4 Minuten

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Text schreiben soll.
Nicht, weil es nichts zu sagen gäbe – sondern weil ich mir nicht sicher war, ob alles, was mich dieses Jahr unter Spannung gesetzt hat, auch nach außen gehört.

Ich schreibe ihn trotzdem, weil genau diese Spannung ein zentrales Thema dieses Jahres war.

2025 war ein Jahr voller Reibung, offener Fragen und ungelöster Dinge.
Ein Jahr, in dem ich oft versucht war, Spannung aufzulösen – und gelernt habe, dass genau das nicht immer meine Aufgabe ist.


Anfang des Jahres – Anspruch trifft Realität

Zu Beginn des Jahres war mein Anspruch klar: saubere Arbeit, klare Entscheidungen, verlässliche Zusammenarbeit.
Ich bin mit der Erwartung gestartet, dass dieser Anspruch zumindest anschlussfähig ist – vielleicht nicht überall geteilt, aber nachvollziehbar.

Relativ früh wurde deutlich, dass das nicht immer der Fall war.
Strukturen blieben unklar, Prioritäten verschoben sich, Entscheidungen wurden vorbereitet, aber nicht getroffen.

Ich habe viel Energie investiert, um Dinge zusammenzuhalten: fachlich, kommunikativ, menschlich.
Nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil ich überzeugt war, dass gute Arbeit genau das braucht.

Meine Ableitung daraus:
Ich übernehme Verantwortung schnell, sobald ich sehe, dass sie liegt.
Was ich unterschätzt habe: Verantwortung ohne Mandat führt langfristig nicht zu Wirkung, sondern zu Ermüdung.
Mein eigener Anspruch ist kein Garant dafür, dass ein System tragfähig funktioniert.


Mitte des Jahres – Reibung und Selbstbeobachtung

Mit der Zeit wurde aus anfänglicher Motivation eine konstante Reibung.
Nicht laut, nicht eskalierend – eher leise, aber dauerhaft.

Ich habe angefangen, mich selbst genauer zu beobachten:
Warum erkläre ich bestimmte Dinge immer wieder?
Warum fühle ich mich für Themen verantwortlich, die formal nicht bei mir liegen?
Und warum fällt es mir schwer, Dinge bewusst liegen zu lassen?

In dieser Phase wurde mir klar, dass Anpassung einen Preis hat.
Nicht sofort – aber schleichend.

Meine Ableitung daraus:
Ich kann vieles verstehen, ohne es mittragen zu müssen.
Nicht jede Unschärfe ist meine Baustelle, nur weil ich sie erkenne.
Und nicht jede Lücke ist automatisch mein Auftrag.


Aktionismus – konkret betrachtet

Wenn ich von Aktionismus spreche, meine ich keine Hektik.
Ich meine sehr konkrete Situationen, die sich über das Jahr wiederholt haben.

Zum Beispiel Momente, in denen Entscheidungen inhaltlich vorbereitet waren – durchdacht, sauber, nachvollziehbar –
aber dann liegen geblieben sind.
Nicht aus Ablehnung, sondern aus Unentschlossenheit oder Prioritätsverschiebung.

Mein Reflex war oft: nachschärfen, erklären, Alternativen formulieren, Risiken einordnen.
In der Hoffnung, dass Klarheit automatisch zu Entscheidung führt.

Meine Ableitung daraus:
Klarheit ist notwendig, aber nicht hinreichend.
Wenn Entscheidungskraft fehlt, ersetzt auch die beste Erklärung keine Führung.


Eine andere typische Situation:
Themen, die formal nicht bei mir lagen, aber faktisch bei mir landeten,
weil ich sie verstanden habe – oder weil ich gesehen habe, wo es hakt.

Ich habe Strukturen gebaut, Übergänge moderiert, Zusammenhänge erklärt.
Oft mit dem Ergebnis, dass es kurzfristig lief –
aber langfristig unklar blieb, wer eigentlich verantwortlich ist.

Meine Ableitung daraus:
Wenn ich Verantwortung übernehme, ohne dass sie klar verankert ist,
entsteht Funktion – aber keine Struktur.
Und Funktion ohne Struktur ist nicht nachhaltig.


Und dann gab es Situationen, in denen ich merkte:
Ich erkläre nicht mehr, um Verständnis zu schaffen,
sondern um Stillstand zu überbrücken.

Das war für mich ein wichtiger Marker.
Denn erklären kann verbinden –
aber es kann auch verzögern, was eigentlich entschieden werden müsste.

Meine Ableitung daraus:
Weniger erklären heißt nicht, weniger beitragen.
Manchmal heißt es, den Raum für Entscheidung bewusst offen zu lassen –
auch wenn das kurzfristig unangenehm ist.


Spätes Jahr – Wahrnehmung statt Beruhigung

Gegen Ende des Jahres wurde ich nicht ruhiger.
Ich war weiterhin stark eingebunden, habe viele Themen getragen und mich oft getrieben gefühlt.

Der Unterschied lag woanders.
Ich habe klarer wahrgenommen, dass ich mich treibe – und was das mit mir macht.

Ich habe begonnen, mein eigenes Verhalten bewusster zu beobachten:
Wann ziehe ich Themen an mich, obwohl sie strukturell nicht bei mir liegen?
Wann gehe ich in Bewegung, weil etwas ungelöst ist – nicht, weil ich dafür verantwortlich bin?

Manches habe ich weiterhin übernommen.
Aber nicht mehr blind.

Meine Ableitung daraus:
Ich habe nicht weniger getragen – aber ich habe es bewusster getan.
Das hat mich nicht entlastet, aber es hat mir Klarheit gegeben.
Und Klarheit ist die Voraussetzung dafür, Grenzen überhaupt ziehen zu können.


Was sich über das Jahr verändert hat

Ich bin nicht grundsätzlich gelassener geworden.
Aber ich bin präziser.

Ich unterscheide klarer zwischen Verantwortung und Zuständigkeit.
Ich erkläre weniger und beobachte mehr.
Ich halte Spannungen eher aus, statt sie vorschnell auflösen zu wollen.

Vor allem höre ich mir selbst früher zu.
Nicht erst dann, wenn Frust entsteht, sondern schon bei leiser Irritation.

Meine zentrale Ableitung:
Klarheit entsteht nicht durch mehr Einsatz,
sondern durch bewusstere Entscheidungen darüber, wofür ich stehe – und wofür nicht.


Wo ich jetzt stehe

Ich gehe nicht mit einem Maßnahmenkatalog ins nächste Jahr.
Aber mit einer ruhigeren inneren Haltung.

Ich weiß besser,
_welche Art von Arbeit mir entspricht,
_welche Formen von Zusammenarbeit für mich tragfähig sind,
_und wo meine Grenze verläuft, ohne dass ich sie rechtfertigen muss.

Vielleicht ist das kein spektakuläres Ergebnis.
Aber ein solides.

Wenn KI lügt – und wir ihr trotzdem glauben

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Halluzinationen von KI-Systemen sind längst im Business angekommen – und sie sind gefährlicher, als viele glauben.


1. Der Einstieg – Ein Controller, eine KI und eine kleine, feine Katastrophe

„Zeig mir bitte die Abweichungsanalyse für Q3.“

„Natürlich“, antwortet die KI freundlich. „Ich habe die Daten ausgewertet. Das Werk in Thüringen hat 14 % höhere Materialkosten, weil die Lieferkette gestört war.“

Der Controller runzelt die Stirn.
„Wir haben kein Werk in Thüringen.“

„Doch“, sagt die KI. „Seit April.“

„Seit wann?“

„Seit ich das gerade erfunden habe.“

Stille.
Dann das berühmte Geräusch, wenn ein Controller in die Tischkante beißt.


2. Die provokante These – Warum KI-Halluzinationen im Business ein Führungsproblem sind

Nicht die KI halluziniert – wir tun es.
Wir halluzinieren, dass KI schon reif ist.
Dass sie fehlerfrei arbeitet.
Dass sie „irgendwie schon stimmt“.

Die eigentliche Halluzination findet nicht im Modell statt, sondern in der Erwartungshaltung der Menschen, die es einsetzen.


3. Warum Halluzinationen kein technisches Problem sind – sondern ein Führungsproblem

Halluzination ist kein Bug, sondern eine Konsequenz aus dem Funktionsprinzip aktueller Sprachmodelle:
Sie berechnen Wahrscheinlichkeiten, keine Wahrheiten.

Das Problem entsteht erst dort, wo Unternehmen KI wie ein Orakel behandeln:

„Die KI sagt das, also wird es schon stimmen.“

Hier beginnt die Unsicherheit – nicht in der Maschine, sondern in Organisationen, die es nicht gewohnt sind, mit einem Werkzeug zu arbeiten, das wahrscheinlich richtig liegt, aber gelegentlich vollkommen daneben.


4. Warum KI-Halluzinationen im Business entstehen – die technische Wahrheit dahinter

Um das Missverständnis direkt auszuräumen:
Eine KI lügt nicht, weil sie manipulieren will. Sie lügt, weil wir sie so gebaut haben.

4.1 Die Trainingslogik: Belohnt wird Wissen, bestraft wird Unwissen

Im Training passiert Folgendes:

  • Das Modell wird dafür belohnt, plausible, vollständige Antworten zu geben.
  • Es wird dafür bestraft, Nichtwissen zuzugeben („weiß ich nicht“).

Ergebnis:
Lieber eine Antwort erfinden, die plausibel klingt, als eine ehrliche Leerstelle zuzugeben.


Diese These wird von aktuellen Forschungsergebnissen unterstützt (vgl. Kalai et al. 2025).

Und mal ehrlich – ist das nicht fast schon menschlich und erstaunlich zeitgeistig?
Wir leben in einer Welt, in der viele Leute lieber souverän wirken, als offen zu sagen: „Das weiß ich nicht.“
KI macht es nur konsequenter.

4.2 Sprachmodell statt Wahrheitsmaschine

Ein Sprachmodell berechnet Wahrscheinlichkeiten:
Es fragt nicht: Stimmt das?
Es fragt: Klingt das statistisch so, wie Menschen antworten würden?

„Wahrscheinlich richtig“ ersetzt aber nicht „tatsächlich richtig“.

4.3 Verstärkungslernen: Souveränität wird belohnt

In der Phase RLHF (Reinforcement Learning from Human Feedback) passiert Folgendes:

  • Antworten, die Menschen gefallen, werden positiv bewertet.
  • Unsichere oder verkürzte Antworten werden abgewertet.

Menschen mögen klare Antworten.
Also liefert die KI klare Antworten – selbst, wenn sie rät.


5. Der gefährlichste Satz im KI-Zeitalter

„Das hat die KI gesagt.“

Dieser Satz ersetzt Verantwortung durch Technik.

Er legitimiert schlechte Entscheidungen mit digitalem Glanz.
Und verschiebt Accountability vom Menschen zur Maschine – und damit ins Nichts.


6. Wo Halluzinationen im Business wirklich wehtun

Controlling & Finanzen

Falsche, aber plausible Ableitungen sind gefährlicher als Fehler – weil sie sich logisch anhören.

Vertrieb & Forecasting

Ein KI-Forecast ohne Validierung ist keine Prognose – es ist Fanfiction.

Recruiting

Modelle erfinden Gründe, warum Kandidaten „nicht passen“ – ohne dass jemand es merkt.

BI & Datenstrategie

Halluzination + schlechte Daten = Entscheidungen, die aussehen wie Expertise, aber reine Fiction sind.


7. Wie man Halluzinationen beherrschbar macht

  • Klare Regeln: Welche Entscheidungen darf KI treffen, welche nicht?
  • Brutale Ehrlichkeit in der Datenqualität: Schlechte Daten + KI = schlechte Entscheidungen in Lichtgeschwindigkeit.
  • Menschliche Validierung als Pflicht, nicht als Kritik.
  • KI als Verstärker, nicht als Ersatz für Wissen.
  • Verantwortlichkeiten klären: Entscheidungen brauchen einen Menschen.

Mehr zum Thema:
Unternehmen sollten laut PwC einen Responsible-AI-Ansatz einführen, bevor sie generative Modelle breit einsetzen.


8. Die eigentliche Pointe

KI ist mächtig.
Aber sie denkt nicht.
Sie zweifelt nicht.
Sie überprüft nicht.

Sie hat kein Problem damit, Unsinn zu erzählen – solange dieser Unsinn statistisch plausibel ist.

Die unbequeme Wahrheit:
Nicht Maschinen müssen erwachsener werden.
Wir müssen es.

Solange Menschen KI als Wahrheit akzeptieren, statt als Werkzeug, wird der gefährlichste Ort im Unternehmen nicht die Maschine sein – sondern die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

Oder wie meine KI neulich sagte:
„Ich habe das Ergebnis erfunden – aber es klang doch ganz gut, oder?“

Genau das ist das Problem.


9. Fazit – Was KI-Halluzinationen im Business wirklich bedeuten

KI-Halluzinationen sind kein seltenes technisches Phänomen, sondern ein Spiegel unserer Erwartungen. Sie zeigen, wie schnell Unternehmen bereit sind, Antworten zu vertrauen, die klar klingen – selbst wenn sie vollständig erfunden sind. Wer KI bewusst einsetzt, ihre Grenzen kennt und Verantwortung nicht an Algorithmen abgibt, gewinnt ein mächtiges Werkzeug. Wer sich jedoch von der Souveränität der Maschine blenden lässt, riskiert Entscheidungen, die zwar plausibel wirken, aber auf Sand gebaut sind.


Ein letzter Gedanke – und der betrifft uns alle

KI kann vieles, aber sie ersetzt kein menschliches Urteilsvermögen. AI ersetzt nicht HI (Human Intelligence). Verantwortung, Kontext, Zweifel, Bauchgefühl – all das bleibt bei uns. Nicht nur im Business, sondern überall dort, wo Entscheidungen Folgen haben

Lass mich doch mal traurig sein.

Lesezeit: 3 Minuten

Warum dieser Dauer-Optimierungswahn uns kaputtmacht.

„Alles hat einen Sinn.“
„Du wirst daran wachsen.“
„Das Leben gibt dir nur Aufgaben, die du meistern kannst.“

Jeder kennt solche Sätze oder hat solche Sätze schon mal geschickt bekommen.

Gut gemeint. Und vermutlich von Herzen.

Aber sie helfen nicht. Also zumindest für mich gesprochen.

Im Gegenteil – sie wirken auf mich wie Pflaster auf Platzwunden: kleben schnell, helfen nicht wirklich und überdecken eher das, was eigentlich sichtbar sein müsste. Nämlich Schmerz. Ohnmacht. Oder einfach: eine verdammt schwierige Zeit.

Ich will niemandem zu nahe treten. Und ich weiß, dass viele einfach das Beste wollen, wenn sie solche Zitate verschicken. Aber ich frage mich manchmal: Wem helfen diese Sprüche eigentlich? Dem, der sie liest – oder dem, der sie losschickt, weil er selbst mit dem Schweigen nicht klarkommt?


Zwischen Wachstum und Überforderung

Mir fällt auf: Wir sind auf einem kollektiven Selbstoptimierungstrip.

Wir reden von Resilienz, Mindset, persönlichem Wachstum und positiver Energie. Wir lesen Bücher über Achtsamkeit, machen Eisbäder, meditieren, atmen uns gesund und visualisieren unsere Ziele. Klingt stark. Ist auch nicht alles schlecht.

Aber: Wo bleibt da der Raum für Schwäche? Für Angst? Für Stillstand?

Ich habe das Gefühl, wir sind so sehr damit beschäftigt, uns „zu entwickeln“, dass wir gar nicht mehr stehen bleiben dürfen. Dass wir uns nicht mehr leisten können, zu sagen: „Ich kann gerade nicht.“ Oder schlimmer noch: „Ich will gerade nicht.“

Und wenn wir dann doch mal stolpern – dann gibt’s halt ein neues Coaching, ein neues Buch, eine neue App. Als ob Schmerz eine Funktion wäre, die man in den Einstellungen einfach deaktivieren kann.


Die neue Angst vor der echten Emotion

Ich glaube, wir verlieren gerade etwas Wichtiges:

Die Fähigkeit, Gefühle auszuhalten, ohne sie sofort erklären oder wegatmen zu müssen.

Denn ja – es gibt Momente, da hilft kein kluger Satz. Kein Purpose. Keine Vision. Da hilft einfach nur: durchhalten. Oder ausruhen. Oder das Scheitern anschauen, ohne es gleich transformieren zu müssen.

Was mir wirklich hilft?

Ehrliche Gespräche. Menschen, die nicht sofort eine Lösung haben. Die nicht gleich mit einem Rat um die Ecke kommen, sondern einfach da sind – und mit der Stille umgehen können. Weil sie wissen, dass echte Nähe nicht entsteht, wenn alles gut ist, sondern wenn man gemeinsam durchhängt.


Ich bin kein Problem, das man lösen muss

Ich funktioniere nicht über Sprüche. Ich funktioniere auch nicht über Programme oder Fünf-Schritte-Pläne. Ich bin ein Kopfmensch. Ich denke viel. Ich beobachte. Und ich analysiere.

Aber genau deshalb weiß ich auch: Nicht alles lässt sich sofort einordnen. Nicht jeder Schmerz ist eine Einladung zum Wachstum.

Manchmal ist Schmerz einfach nur Schmerz.

Und auch der darf da sein.

Ich muss nicht daran wachsen. Ich darf auch mal klein sein.

Ich darf zweifeln. Ich darf sogar traurig sein – ganz ohne Ziel, ganz ohne Optimierungsidee.


Ein bisschen weniger Glanz, ein bisschen mehr Wahrheit

Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Mut zur Echtheit finden.

Nicht alles muss glänzen. Nicht jede Phase muss produktiv sein.

Wir dürfen uns eingestehen, dass auch wir nicht immer wissen, wie es weitergeht – und dass das okay ist.

Denn wenn wir anfangen, nur noch das Licht zu feiern und den Schatten zu ignorieren, dann verlieren wir uns selbst.

Dann verlieren wir das, was uns menschlich macht: unsere Tiefe.


Vielleicht ist es gar nicht das Licht, das uns heilt.
Sondern der Moment, in dem wir den Schatten nicht mehr fürchten.

Zu guter letzt: Wer immer funktionieren will, hat irgendwann kein Gefühl mehr dafür, wie sich echt anfühlt. Daher einfach mal wieder mehr Sein und einfach mal wieder Echt sein.
Ist schwer, aber vielleicht lohnt es sich ja. Das war so der Hintergedanke zu dem Beitrag

Ich bin froh, dass ich nicht mehr jung bin

Lesezeit: 5 Minuten

Klingt zynisch – ist aber ehrlich.

Früher war mehr Planbarkeit

Ich bin froh, dass ich nicht mehr jung bin. Klingt hart? Vielleicht. Aber je länger ich drüber nachdenke, desto mehr spüre ich: Es ist ehrlich gemeint. Und das sage ich nicht aus Alterszynismus oder Lebensmüdigkeit – im Gegenteil. Ich habe viel erlebt, viele Fehler gemacht, manche Lektionen hart gelernt, manche Chancen verpasst – und bin dennoch in einer Zeit erwachsen geworden, in der man dachte, man könne planen. Einen Lebensweg. Eine Karriere. Ein Familienbild. Es war nicht perfekt – aber es war berechenbarer.

Aufgewachsen in einer anderen Welt

Geboren 1971, groß geworden in einer Zeit, in der der Fernseher noch ein Möbelstück war, die Welt langsam und das Leben linear erschien. Schule, Ausbildung, Beruf – wenn du fleißig warst, ging das irgendwie seinen Weg. Und wenn nicht, dann hattest du zumindest Zeit, dich zu sortieren. Heute? Heute wirkt die Welt auf mich wie eine Hochgeschwindigkeitsschleuder – KI, Klimakrise, Kapitalverschiebungen, Krieg. Und mittendrin junge Menschen, die sich ihren Platz suchen müssen. Ohne Karte. Ohne Kompass. Ohne Verschnaufpause.

Orientierungslosigkeit im Jetzt

Ich frage mich: Wie macht man das als junger Mensch heute? Wie orientiert man sich in einer Welt, in der Gewissheiten bröckeln und Technologien schneller wachsen als das eigene Verständnis? Wie bleibt man handlungsfähig, wenn die Algorithmen immer mehr mitreden – bei Bewerbungen, bei Bildung, bei Beziehungen?

Die Elternrolle im Wandel

Und noch was: Was macht das mit uns als Eltern? Welche Rolle spielen wir? Ich selbst habe keine Kinder, aber ich denke oft darüber nach, wie schwierig es sein muss, in dieser Gemengelage Ratgeber, Vorbild, Haltgeber zu sein. Wie soll ich jemandem sagen, wohin es gehen kann – wenn ich selbst nicht mehr weiß, was Bestand hat?

Ist unser Job nicht weniger, Antworten zu geben – sondern Räume zu öffnen, in denen junge Menschen selbst welche finden können?

Vielleicht müssen wir als Erwachsene nicht immer den Weg zeigen – aber wir können dafür sorgen, dass er gangbar bleibt.

Generationen – keine Frage des Wollens

Wir reden viel über Generationen. Über Gen Z, über Millennials, über Boomer. Und doch vergessen wir oft, dass viele der Unterschiede keine Frage des Wollens sind – sondern der Umstände. Ich hatte das Privileg, mich zu entfalten, weil es Zeit und Raum gab. Heute ist das ein Luxus.

Verantwortung statt Rückzug

Vielleicht liegt genau darin unsere Verantwortung. Nicht in der Beurteilung. Sondern im Begleiten. Nicht im Phrasenhaften „Du musst nur wollen“ – sondern im ehrlichen: „Ich sehe, wie schwer das ist. Und ich bin da.“

Der Mut zur Eigenständigkeit

Denn die Leichtigkeit der Jugend, von der viele reden, ist oft ein Mythos. Vielleicht war sie das immer schon. Vielleicht braucht es heute andere Formen von Mut – den Mut zur Orientierungslosigkeit, zum Innehalten, zur Eigenständigkeit. Und den Mut, das auch als Gesellschaft zuzulassen.

Eine wiederholte Erkenntnis

Ich bin froh, dass ich nicht mehr jung bin – weil ich weiß, wie schwer jung sein heute ist. Und ich ziehe den Hut vor denen, die sich dennoch aufmachen. Mit Zweifeln. Mit Sehnsucht. Mit Haltung.

Mein persönlicher Umgang damit

Was ich aber auch merke: Ich bin nicht frei von Verantwortung. Ich kann mich nicht einfach zurücklehnen und sagen: „Gut, dass ich da durch bin.“ Denn ich sitze ja immer noch mit im Boot. Und vielleicht besteht mein Beitrag genau darin, nicht alles wissen zu wollen, aber Fragen zu stellen. Nicht Lösungen zu liefern, aber Gedanken anzubieten. Ich versuche, zuzuhören, ohne zu belehren. Da zu sein, ohne mich aufzudrängen. Und vor allem: nicht in den alten Mustern zu verharren, nur weil sie mir vertraut sind.

Beobachten statt überholen

Ich hadere oft mit dem Tempo der Welt. Mit dem Druck, allem gerecht zu werden – beruflich, gesellschaftlich, menschlich. Aber vielleicht ist genau das meine Art, damit umzugehen: innehalten, beobachten, sortieren. Nicht immer sofort reagieren, sondern reflektieren.

Das ist nicht immer leicht – aber es ist meine Form von Orientierung. Eine, die ich weitergeben kann, ohne sie aufzudrängen.

Historische Parallelen und ein neuer Katalysator

Und manchmal frage ich mich auch, ob unsere Eltern damals Ähnliches empfunden haben. Ob sie dachten: „Jetzt dreht sich die Welt zu schnell“ – als Computer kamen, das Internet, Globalisierung. Wahrscheinlich ja.

Aber mit KI betreten wir noch mal ein anderes Spielfeld. Eines, das nicht nur neue Werkzeuge bringt, sondern Grundannahmen infrage stellt: Was bedeutet Arbeit? Was bleibt vom Menschen, wenn Maschinen schneller denken? Was lernt man noch – und wofür?

Studium mit Verfallsdatum?

Was sage ich heute einem jungen Menschen, der sich für einen Studiengang entscheidet, von dem wir nicht wissen, ob er in zehn Jahren noch gebraucht wird? Oder ob eine KI ihn nicht besser, schneller, billiger erledigt?

Ich habe darauf keine einfache Antwort. Aber vielleicht wird es wichtiger sein, wie man lernt, als was man lernt. Und vielleicht ist die Frage selbst schon der Anfang – und der Mut, sie zu stellen, der erste Schritt in die richtige Richtung.

Abschluss: Zwischen Demut und Richtungssinn

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, alles zu verstehen oder gar zu beherrschen. Vielleicht liegt unsere Aufgabe – als Erwachsene, als Mitmenschen, als Gesellschaft – eher darin, Orientierung zu geben, wo keine mehr ist. Nicht mit einem Navi, das den besten Weg kennt, sondern mit einem Lagerfeuer, an dem man sich sammeln kann.

Denn wer heute jung ist, hat nicht nur Herausforderungen vor sich – sondern trägt oft schon jetzt eine Schwere, die wir früher nicht kannten. Nicht, weil sie schwächer sind. Sondern weil die Welt lauter, schneller und komplexer geworden ist.

Und vielleicht ist das größte Geschenk, das wir machen können, kein Ratschlag – sondern das ehrliche Eingeständnis: „Ich weiß es auch nicht immer. Aber ich bin da.“

Man wird doch auch mal kritisch sein dürfen

Lesezeit: 5 Minuten

Wir leben in einer Zeit, in der Technologieunternehmen ständig unter Druck stehen, die neuesten und besten Produkte auf den Markt zu bringen. Das Rennen, der Erste zu sein, führt aber oft dazu, dass halbfertige Lösungen präsentiert werden. Auch Microsoft, ein Big Player in der Branche, hat das ein oder andere Mal den Fehler gemacht, zu früh an den Start zu gehen. Lasst uns mal kritisch darüber nachdenken, ob das wirklich der richtige Weg ist. Und natürlich, welche Konsequenzen das für uns als Nutzer hat.

Microsoft Co-Pilot: Viel Lärm um nichts?

Nehmen wir mal den Microsoft Co-Pilot für M365. Die Idee dahinter ist ziemlich cool: Eine KI, die dir den Arbeitsalltag erleichtert, dir Aufgaben abnimmt und alles ein bisschen smoother macht. Die Realität sieht allerdings anders aus. Co-Pilot ist zwar da, aber ehrlich gesagt, hapert es noch an einigen Ecken. Klar, es ist spannend, dass eine KI mich unterstützt – aber wenn die Unterstützung dann doch eher schleppend kommt und nicht das hält, was das Marketing verspricht, bleibt der Aha-Effekt aus. Da fragt man sich schon, ob es nicht besser gewesen wäre, das Teil noch ein bisschen im Entwicklungsmodus zu lassen, bevor man es auf uns loslässt.

Ein Blick zurück: Wenn Microsoft den Turbo zu früh gezündet hat

Microsoft hat in der Vergangenheit ein paar Mal gezeigt, dass “schnell rausbringen” nicht immer die beste Strategie ist. Ein paar Beispiele gefällig?

1. Windows Vista (2007):

Das sollte der Nachfolger des beliebten Windows XP werden. Was wir bekamen, war ein System, das mehr Frust als Freude bereitete. Bugs, Inkompatibilitäten und ein unstillbarer Hunger nach Ressourcen – alles da. Viele Nutzer haben es einfach übersprungen oder sind sogar zurück zu XP. Vista bleibt als Flop in Erinnerung.

2. Windows 8 (2012):

Hier wollte Microsoft modern sein, vielleicht zu modern. Die radikale Umstellung der Benutzeroberfläche hat viele vor den Kopf gestoßen. Die geliebte Startleiste? Weg. Dafür gab es Kacheln, die keiner wollte. Erst mit Windows 10 hat Microsoft dann die Kurve wieder gekriegt.

3. Surface RT (2012):

Eine tolle Idee, schlecht umgesetzt. Windows RT, das Betriebssystem der ersten Surface-Tablets, war nicht mit herkömmlichen Windows-Anwendungen kompatibel. Das Ergebnis? Verwirrung und Enttäuschung. Surface RT verschwand schnell wieder in der Versenkung.

Was Microsoft richtig gemacht hat: Cortana und Windows Phones

Jetzt aber mal etwas Positives. Ich muss sagen, ich mochte Cortana. Während viele den digitalen Assistenten eher belächelt haben, fand ich Cortana wirklich nützlich. Erinnerungen setzen, Apps steuern, den Tag organisieren – das hat alles gut funktioniert. Schade, dass Cortana nie wirklich den Durchbruch geschafft hat. Für mich war sie definitiv ein Highlight.

Und was ist mit den Windows Phones? Ich fand sie im Business-Kontext großartig. Die Integration mit Office und anderen Microsoft-Diensten machte sie zu einem echten Geheimtipp für Leute, die ihr Smartphone nicht nur zum Surfen und Chatten nutzen. Das Kachel-Design war vielleicht nicht jedermanns Sache, aber ich fand es super praktisch und übersichtlich. Auch wenn die Windows Phones letztlich den Kampf gegen iOS und Android verloren haben, waren sie für mich ein echtes Highlight im Smartphone-Dschungel.

Herausforderungen in der Cloud: Azure & Co.

Auch in der Cloud-Welt ist nicht alles Gold, was glänzt. Microsoft hat hier so manche Herausforderungen erlebt:

1. Azure Active Directory (AAD) Outages:

AAD ist ein zentraler Bestandteil der Microsoft-Cloud, aber wiederholte Ausfälle haben vielen Nutzern das Leben schwer gemacht. Für Unternehmen, die sich auf AAD verlassen, um auf kritische Anwendungen zuzugreifen, waren diese Ausfälle ein echtes Problem. Das zeigt, dass manchmal zu schnell neue Funktionen eingeführt werden, ohne dass die Stabilität gewährleistet ist.

2. Azure DevOps Skalierungsprobleme:

Azure DevOps ist eine starke Plattform, keine Frage. Aber bei großen Projekten stieß sie auf Skalierungsprobleme, die sich negativ auf die Performance auswirkten. Hier sieht man wieder, dass die Infrastruktur manchmal nicht mit dem schnellen Wachstum Schritt halten kann.

3. Microsoft Teams Cloud-Integration:

Teams hat während der Pandemie eine riesige Nutzerbasis gewonnen, aber die schnelle Einführung neuer Funktionen führte auch zu einigen Kinderkrankheiten. Verzögerungen und Ausfälle waren die Folge, was in Zeiten, in denen Teams für viele unverzichtbar war, natürlich besonders unangenehm war.

Der Blick nach vorn: Microsoft kann es auch anders

Aber hey, man muss auch mal die positiven Seiten sehen. Microsoft hat gezeigt, dass es aus Fehlern lernen kann. Windows 10 ist ein gutes Beispiel dafür, wie man aus einem holprigen Start (Windows 8) wieder auf die Beine kommt. Auch bei Teams hat Microsoft schnell reagiert und die Probleme angepackt, sodass es heute ein unverzichtbares Tool ist.

Und was den Co-Pilot angeht – ja, er ist noch nicht da, wo wir ihn gerne hätten. Aber ich bin zuversichtlich, dass er mit der Zeit besser wird. Es ist klar, dass die KI-Technologie noch in den Kinderschuhen steckt, aber das Potenzial ist riesig. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.

Fazit: Kritik ist gut, aber lassen wir Raum für Verbesserungen

Es ist wichtig, kritisch zu bleiben und Unternehmen auf ihre Fehler hinzuweisen. Aber genauso wichtig ist es, den Raum für Verbesserungen zu lassen. Microsoft hat in der Vergangenheit gezeigt, dass es auf Nutzerfeedback hört und seine Produkte verbessert. Und genau das macht sie letztlich erfolgreich.

Also, lasst uns kritisch sein – aber auch offen für das, was noch kommt. Denn am Ende des Tages geht es darum, dass wir die Technologie bekommen, die uns wirklich weiterbringt.

Über Respekt und Sensibilität in der Sprache

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Die Macht der Worte und ihre Missverständnisse

In letzter Zeit bemerke ich immer häufiger, wie bestimmte Begriffe und Bezeichnungen unterschiedlich interpretiert werden. Das führt oft zu Missverständnissen und Spannungen, die aus meiner Sicht nicht immer notwendig sind.

Sprache formt Denken: Erkenntnisse aus der Sapir-Whorf-Hypothese

Linguistische Studien zeigen, dass Sprache ein dynamisches System ist, das sich ständig weiterentwickelt. Laut der Sapir-Whorf-Hypothese beeinflusst die Sprache unser Denken und unsere Wahrnehmung der Welt. Wenn bestimmte Begriffe negative Konnotationen bekommen, spiegelt das gesellschaftliche Veränderungen und Werteverschiebungen wider.

Wissenschaftliche Studien: Die Bedeutung respektvoller Sprache

Eine Untersuchung von DeWall et al. (2011) ergab, dass der Gebrauch respektvoller Sprache die sozialen Beziehungen stärkt und zu einem harmonischeren Miteinander führt. Andererseits kann die Missachtung solcher Sensibilitäten zu Spannungen und Missverständnissen führen. Studien über Mikroaggressionen zeigen, dass selbst scheinbar harmlose Bemerkungen das Wohlbefinden von Minderheiten beeinträchtigen können (Sue et al., 2007).

Kommunikationsregeln nach Watzlawick: Missverständnisse vermeiden

Paul Watzlawick – ich mag und schätze ihn sehr -, ein Pionier der Kommunikationstheorie, hat wesentliche Beiträge zum Verständnis der menschlichen Kommunikation geleistet. Seine fünf Axiome sind besonders relevant:

1. Man kann nicht nicht kommunizieren: Jedes Verhalten, selbst Schweigen, ist Kommunikation.

2. Inhalt und Beziehungsaspekt: Jede Nachricht hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.

3. Interpunktion von Ereignisfolgen: Menschen neigen dazu, ihre eigenen Interpunktionen der Ereignisfolge als objektiv anzusehen.

4. Digitale und analoge Modalitäten: Kommunikation erfolgt sowohl digital (verbale Sprache) als auch analog (nonverbale Signale).

5. Symmetrische und komplementäre Interaktionen: Kommunikation kann symmetrisch (gleichwertig) oder komplementär (ergänzend) sein.

Warum Watzlawick?

Die Kommunikationsregeln nach Watzlawick helfen mir manchmal. -wie gerne würde ich hier häufig schreiben – , Missverständnisse und Spannungen zu verstehen und zu vermeiden. Seine Axiome verdeutlichen, dass jede Form der Kommunikation, sei es verbal oder nonverbal, Auswirkungen auf die Beziehungsebene hat. Durch das Verständnis dieser Prinzipien können wir sensibler und bewusster kommunizieren und so Konflikte, die durch sprachliche Missverständnisse entstehen, minimieren. Vielleicht hilft es ja den ein oder anderen der das liest. Mir hat es geholfen es mir wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Factfulness: Die Rolle von Daten und Fakten in der Wahrnehmung

Weil ich es gerade lese bzw. höre und es mich bisher sehr beeindruckt hat, muss ich es erwähnen. In seinem Buch “Factfulness” betont Hans Rosling die Wichtigkeit, die Welt anhand von Daten und Fakten zu betrachten. Ein zentrales Thema ist die Diskrepanz zwischen wahrgenommenen und tatsächlichen Realitäten. Rosling zeigt auf, wie wir oft von dramatischen und verzerrten Medienberichten beeinflusst werden und dabei das Gesamtbild verlieren. Diese Erkenntnis lässt sich auch auf die Sprache anwenden: Unsere Wahrnehmung bestimmter Begriffe kann durch persönliche und gesellschaftliche Erfahrungen verzerrt sein.

Provokante Fragen und Antworten: Sensibilität oder Übertreibung?

Wer mich kennt, weiss, dass ich gerne auch provokante Fragen stelle. Warum? Weil es – auch mich – anregt über Dinge nachzudenken. Daher in gewohnter Weise ein paar Fragen, die mich umtreiben.

1. Warum empfindet man Begriffe wie “Schankmaid” heute als beleidigend?

Unsere Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter, und mit ihr auch die Sprache. Begriffe, die früher neutral waren, können heute negative Konnotationen haben. Das kann einerseits als Fortschritt gesehen werden, um eine respektvollere Gesellschaft zu schaffen, andererseits führt es oft zu Überempfindlichkeiten, die manche als unnötig empfinden. Frage: Ist diese sprachliche Sensibilität ein Zeichen von Fortschritt oder übertriebener Rücksichtnahme?

2. Sind wir wirklich eine Gesellschaft von “Weicheiern”?

Ich lasse mich gerne dazu verleiten den Großteil der Gesellschaft als Weicheier und emotionale Egomanen zu bezeichnen – ich stehe dazu und kann das auch in epischer Breite begründen, dabei darum geht es nicht. Zurück zur gebotenen Ernshaftigkeit:

Manche mögen das so sehen, weil es scheint, als ob jede Aussage auf die Goldwaage gelegt wird. Aber vielleicht ist es auch einfach nur eine Anpassung an eine Welt, die zunehmend diverser und inklusiver wird. Es ist ein Balanceakt zwischen Sensibilität und Übertreibung. Frage: Fördert diese Sensibilität echten Respekt oder behindert sie offene Kommunikation?

3. Führt dieser Pseudoliberalismus zu Chaos und Verwirrung?

Ja, er kann definitiv zu Verwirrung führen, wenn ständig neue sprachliche Normen eingeführt werden (müssen) um den Forderungen von Randgruppen gerecht zu werden . Aber er kann auch zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen, in der mehr Menschen sich respektiert und inkludiert fühlen. Frage: Ist es möglich, eine Balance zu finden, die respektvolle Sprache und Meinungsfreiheit gleichermaßen fördert?

Persönliche Reflexion: Meine Sicht auf das Ganze

Ich sehe mich selbst manchmal als Dinosaurier. Ich rauche (echte Zigaretten) , ich trinke (guten Alkohol), ich mag (authentische) Ehrlichkeit und keine politischen Spielchen. Ich nehme Freundschaften sehr ernst und habe keinen Bezug zum Gendern, das ich albern finde. Persönlich empfinde ich daher solche Begriffe oft auch nicht als problematisch.

Doch ich erkenne, dass unsere Gesellschaft sensibler gegenüber Sprache und ihren Auswirkungen geworden ist. Manchmal fühlt es sich so an, als würden wir in einer Welt leben, in der zu viel Rücksichtnahme Chaos und Verwirrung stiftet. Dennoch sehe ich auch den Wert darin, respektvoll und achtsam miteinander umzugehen. Der ständige Bedarf an klärenden Gesprächen kann anstrengend sein und das Gefühl erzeugen, für andere mitdenken zu müssen. Ich persönlich finde das anstrengend, es nimmt viel der Leichtigkeit des Lebens und im „besten Fall“ ziehe mich dann eben zurück.

Fazit: Respekt und Rücksichtnahme in der Kommunikation

Auch wenn ich manche Reaktionen übertrieben finde, ist es wichtig, die Gefühle und Selbstwahrnehmungen anderer zu respektieren. Jeder hat das Recht, respektvoll behandelt zu werden, und es ist an uns, eine Balance zwischen Offenheit und Rücksichtnahme zu finden.

Quellen:

1. DeWall, C. Nathan, et al. “Respectful language and social relationships.” Journal of Experimental Social Psychology, 2011.

2. Sue, Derald Wing, et al. “Racial microaggressions in everyday life: Implications for clinical practice.” American Psychologist, 2007.

Von Blendern, Balancen und Bytes: Eine Reise durch die Herausforderungen unserer Zeit

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In den letzten Wochen bin ich oft ins Grübeln gekommen und wenn Dinge mich beschäftigen, dann kann es schon mal zu einem neuen Blogbeitrag kommen. .Vielleicht kennt ihr das: Man begegnet Trends und Entwicklungen, die einen nicht mehr loslassen. Bei mir waren es zuletzt zwei große Themen, die, obwohl sie auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben, doch tief miteinander verwoben sind: die zunehmende Präsenz von „Blendern“ in unserer Gesellschaft und das spannungsreiche Verhältnis zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz.

Die Ära der Blender – Oder doch nicht?

Warum scheinen Blender so oft die Oberhand zu gewinnen? In einer Welt, die durch die Schnelllebigkeit sozialer Medien und die Fokussierung auf das Visuelle geprägt ist, könnte man leicht zu dem Schluss kommen, dass Tiefe und Substanz immer weiter in den Hintergrund rücken. Aber ist das wirklich eine unabänderliche Wahrheit? Oder ist es nicht vielmehr so, dass inmitten des Lärms das Echte und Authentische einen neuen, stillen Wert findet? Es ist an uns, den Diskurs darüber, was wirklich zählt, neu zu beleben und zu definieren, was Erfolg bedeutet. Dabei geht es nicht darum, den Schein gänzlich zu verdammen, sondern darum, die Werte von Authentizität und echter Leistung in den Vordergrund zu rücken und zu erkennen, dass wahre Exzellenz in der Tiefe des Charakters und nicht in der Breite der Fassade liegt.

AI vs. HI: Ein ungleiches Duell?

Die Beziehung zwischen künstlicher Intelligenz und menschlicher Intelligenz ist nicht so sehr ein Kampf als vielmehr ein Tanz – ein Zusammenspiel, bei dem jede Seite ihre eigenen, einzigartigen Stärken hat. Verlieren wir durch die Technologie unsere Menschlichkeit oder finden wir durch sie zu einer neuen Form des Menschseins? Die KI eröffnet uns zweifellos neue Horizonte des Möglichen, von der Optimierung alltäglicher Aufgaben bis hin zur Erforschung unbekannter Welten. Doch in diesem Strudel technologischer Möglichkeiten dürfen wir nicht vergessen, dass es die menschliche Intelligenz ist, die der Technologie überhaupt erst einen Zweck, eine Richtung gibt. Die Herausforderung besteht darin, diese Technologien so zu gestalten und einzusetzen, dass sie unsere menschlichen Fähigkeiten erweitern, ohne sie zu ersetzen. Es geht darum, eine Symbiose zu schaffen, in der KI und HI gemeinsam mehr erreichen können, als jede für sich allein.

Eine globale Perspektive

In der globalen Landschaft der Technologieentwicklung und -anwendung nehmen Länder wie China und Indien eine immer prominentere Rolle ein. Ihre Herangehensweisen an Themen wie Datenschutz und die ethische Nutzung von Technologie bieten einen faszinierenden Kontrast zu westlichen Normen. Wie navigieren wir die Vielfalt dieser globalen Perspektiven, ohne unsere eigenen Werte zu kompromittieren, und wie können wir von ihnen lernen? Es ist eine Gratwanderung, bei der es gilt, offen für die Vielfalt der weltweiten Ansätze zu sein, gleichzeitig aber auch kritisch zu hinterfragen, welche Auswirkungen diese auf das Individuum und die Gesellschaft haben. Diese Auseinandersetzung fordert von uns, nicht nur Technologien, sondern auch die dahinterstehenden Wertesysteme zu verstehen und vielleicht sogar neue, globale Normen für den Umgang mit Technologie zu entwickeln. Ich persönlich befürchte allerdings, dass wir in Europa hier mit unserem „verhaltenen“ Kurs nicht wirklich mehr am Plus der Zeit sind und es hier ein Umdenken – und vor allem Mut – erfordert.

Die Brücke zwischen den Welten

In der Diskussion um Technologie und Menschlichkeit geht es letztlich um die Frage der Balance – wie wir die rasante Entwicklung der KI nutzen können, ohne dabei die essenziellen Aspekte unseres Menschseins zu vernachlässigen. Wie können wir eine Zukunft gestalten, in der Technologie uns nicht entfremdet, sondern näher bringt, sowohl zueinander als auch zu uns selbst? Es ist ein Unterfangen, das nicht nur technische, sondern auch philosophische Überlegungen erfordert. Wir stehen vor der Aufgabe, Technologie bewusst so zu gestalten, dass sie unsere menschlichen Qualitäten unterstützt und erweitert, anstatt sie zu ersetzen oder zu untergraben.

Laut gedacht: Ich befürchte, dass das für den Großteil der Menschen ein nicht unerhebliches Problem darstellen wird. Es ist die Angst vor Neuem und dem Unbekannten. Es ist die Hemmung sich mit Neuem – auch und vor allem kritisch – auseinanderzusetzen. Und letztendlich ist das die Bürokratie die das Thema zu einem „spannenden“ Unterfangen macht. Man darf nicht blind folgen und jeden scheinbaren Trend gutheissen, aber generell sollte man mit wachem Geist Neuem begegnen und Chancen und Risiken analytisch gegeneinander abwägen.

Ein Blick nach vorn

Die Fragen, die wir uns heute stellen, werden die Welt von morgen formen. Sind wir bereit, die Verantwortung für diese Gestaltung zu übernehmen? Diese Frage lädt – aber nur, wer sich auch einladen lässt – uns ein, nicht nur Zuschauer oder Nutzer der technologischen Revolution zu sein, sondern aktive Gestalter einer Zukunft, in der Menschlichkeit und Technologie in einem fruchtbaren, positiven Verhältnis stehen. Ich habe daran Spaß. Mich reizt sowas. Mich fordert so etwas heraus meinen eigenen Horizont zu erweitern und meinen Geist wach und beweglich zu halten.

So, der Kopf ist nun frei, der Blog ist voll, und das Gedankenkarussell hat für einen Moment angehalten. Wenn ihr etwas aus diesen Zeilen mitnehmen könnt – sei es Inspiration, ein neuer Denkanstoß oder einfach die Bestätigung eigener Überlegungen –, dann hat sich das Niederschreiben schon gelohnt. Für diejenigen unter euch, die sich in diesen Gedanken wiederfinden oder sie weiterführen wollen: Do it. Gerne auch hier in einem Kommentar