Was Socke hinterlässt
Heute morgen. Koserow, Usedom. Socke und ich laufen vom Parkplatz durch den Wald Richtung Hundestrand. Die Sonne scheint, meine Nase läuft, aber wir sind gut drauf. Beide. Socke erledigt ihr Geschäft im Wald — und ich stehe vor dem Dilemma, das ich jeden Tag habe: Einpacken in Plastik, das 1.000 Jahre braucht? Oder liegen lassen und hoffen, dass die Natur das regelt?
Wir kommen am Strand raus. In der Ferne: eine Frau mit Hund. Groß, zottelig, aber brav an der Leine. Also nehme ich Socke auch an die Leine. Ich sage freundlich Guten Morgen. Nichts. Sie zieht ihren Hund weg und geht mit Abstand vorbei, ohne einen Blick zu würdigen. Kann man machen.
Ein paar Meter weiter liegt ein Haufen am Strand. Frisch. Und sie war die Einzige, die es gewesen sein konnte. Leider schon zu weit weg — das wäre ein guter Gesprächseinstieg gewesen.
Ich hab ihn dann weggemacht. Gut für meine Bilanz — siehe Wald. Und mich aufgeregt. Weil wegen solchen Leuten Hundebesitzer, die ihren Kram wegmachen, in Verruf geraten. Weil es Plätze gibt, an denen wir nicht sein dürfen — wegen einer unfreundlichen Tussi, die ihren Haufen liegen lässt.
Das war mein Trigger. Also hab ich gerechnet.
346.000 Tonnen Hundekot pro Jahr. Allein in Deutschland. 10 Millionen Hunde. 40 Prozent der Besitzer räumen nicht immer auf. Dreizehn Prozent räumen nie auf. Das sind keine Schätzungen von mir — das sind Umfragezahlen.
500 Millionen Plastikbeutel. Einsatzdauer: 25 Minuten. Zersetzung: bis zu 1.000 Jahre. Die Bio-Variante? Zersetzt sich in 12 Wochen. Bei 58 Grad. In einer Fabrik. Im Wald braucht sie drei Jahre. Im Restmüll wird sie verbrannt — genau wie die billige.
Und dann gibt es da eine Firma in den USA, die DNA-Tests für Hundekot anbietet. 96 Prozent weniger Haufen. In Spanien haben sie die Kacke per Post an die Besitzer zurückgeschickt. 70 Prozent weniger. In Taiwan gab’s Gold für eingesammelten Kot.
Die Daten sind absurd. Und gleichzeitig vollkommen ernst.
Wer tiefer einsteigen will: Das Datenstück dazu hat alle Zahlen, Charts und Quellen. Achtung — der Konsum dieser Daten kann zu Nachdenklichkeit und akutem Umdenken führen.
Socke findet das alles übrigens nicht so spannend — und wundert sich, dass ihre Haufen meist ordentlich verräumt werden. Die armen anderen Hunde kommen nie in den Genuss eines Socke-Haufens. Außer im Wald. Mit viel Glück.